Ricotta ist ein Milchprodukt, das in der italienischen Küche fest verankert ist und auch in deutschen Supermärkten immer häufiger angeboten wird. Ob für Lasagne, gefüllte Nudeln oder als Brotaufstrich – dieser cremige Frischkäse findet vielfältige Verwendung. Doch ein genauer Blick auf die Verpackung offenbart häufig ein Problem: Die tatsächliche Herkunft des Produkts bleibt oft im Dunkeln, obwohl sie für gesundheitsbewusste Verbraucher von erheblicher Bedeutung sein kann.
Warum die Herkunft bei Ricotta besonders wichtig ist
Anders als bei vielen anderen Lebensmitteln spielt bei Ricotta die Herkunft eine zentrale Rolle für Qualität und Zusammensetzung. Der traditionelle italienische Ricotta wird aus Molke hergestellt – einem Nebenprodukt der Käseherstellung. Der Name bedeutet wörtlich „nochmals gekocht“ und bezieht sich auf den Prozess, bei dem die Molke unter Zugabe von Säure erneut erhitzt wird. Diese Molke kann von Schafen, Ziegen, Kühen oder Büffeln stammen, wobei in Deutschland handelsüblicher Ricotta typischerweise aus Kuhmilch hergestellt wird.
Die Produktionsstandards, Qualitätskontrollen und Verarbeitungsmethoden unterscheiden sich jedoch erheblich zwischen verschiedenen Ländern und Produktionsstätten. Für Verbraucher, die auf die Qualität ihrer Lebensmittel achten, sind diese Unterschiede keineswegs nebensächlich. Der Geschmack des Ricottas wird maßgeblich von der Herkunft der Molke und dem Reifegrad bestimmt.
Wie Hersteller die Herkunft verschleiern
Die rechtlichen Anforderungen an die Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Milchprodukten lassen erhebliche Spielräume. Hersteller nutzen verschiedene Strategien, um die tatsächliche Produktionsquelle zu verschleiern oder zumindest nicht transparent zu machen. Viele Ricotta-Verpackungen sind mit italienischen Farben, Landschaftsbildern oder Schriftzügen gestaltet, obwohl das Produkt aus ganz anderen Ländern stammt. Formulierungen wie „nach italienischer Art“ oder „traditionelles Rezept“ sagen nichts über den tatsächlichen Herstellungsort aus.
Wenn überhaupt vorhanden, finden sich präzise Angaben in winziger Schrift an schwer einsehbaren Stellen der Verpackung. Besonders raffiniert wird es bei verschachtelten Unternehmensstrukturen: Der angegebene Hersteller sitzt in einem Land, während die Produktion in einem völlig anderen stattfindet. Bei verarbeiteten Produkten wie Ricotta gelten weniger strenge Vorgaben für die Herkunftsangabe als etwa bei frischer Milch oder Fleisch. Die Angabe „hergestellt in“ bezieht sich lediglich auf den Ort der letzten wesentlichen Verarbeitung – nicht zwingend auf die Herkunft der Hauptzutat, also der Molke oder Milch.
Worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten
Trotz der verschleierten Angaben gibt es Möglichkeiten, die Herkunft zumindest annähernd zu ermitteln und qualitativ bessere Produkte zu identifizieren. Die Zutatenliste gibt wichtige Hinweise: Bei hochwertigem Ricotta sollten Molke oder Vollmilch an erster Stelle stehen. Je länger die Zutatenliste und je mehr Zusatzstoffe enthalten sind, desto wahrscheinlicher handelt es sich um ein industriell stark verarbeitetes Produkt. Frischer Ricotta, der ausschließlich aus Süßmolke erzeugt wird, schmeckt mild und leicht süßlich.

Geschützte Herkunftsbezeichnungen erkennen
Produkte mit Siegeln wie „g.U.“ (geschützte Ursprungsbezeichnung) oder „g.g.A.“ (geschützte geografische Angabe) unterliegen strengeren Kontrollen bezüglich der Herkunft. Der aus Schafmilch hergestellte Ricotta Romana sowie der aus Büffelmilch hergestellte Ricotta di Bufala Campana sind Produkte mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Der Ricotta Romana trägt das DOP-Siegel, das der geschützten Ursprungsbezeichnung entspricht. Diese Kennzeichnungen garantieren, dass bestimmte Produktionsschritte in der angegebenen Region stattgefunden haben.
Den Preis als Indikator nutzen
Extrem günstige Ricotta-Produkte lassen Rückschlüsse auf die Produktionsweise zu. Qualitativ hochwertiger Ricotta aus kontrollierter Herstellung hat seinen Preis. Dumpingpreise deuten häufig auf Massenproduktion unter weniger kontrollierten Bedingungen hin. Die Veterinärkontrollnummer auf der Verpackung gibt Aufschluss über den tatsächlichen Produktionsort. Diese alphanumerische Kennzeichnung beginnt mit dem Ländercode. Mit etwas Recherche lässt sich herausfinden, wo das Produkt wirklich hergestellt wurde.
Transparenz einfordern macht einen Unterschied
Verbraucher haben mehr Macht, als ihnen oft bewusst ist. Wer beim Einkauf gezielt nach Herkunftsangaben fragt und Produkte mit unklarer Deklaration meidet, sendet ein Signal an Hersteller und Händler. Supermärkte reagieren durchaus auf Kundenwünsche, wenn diese häufig genug geäußert werden. Es lohnt sich, direkt beim Kundendienst des Supermarktes oder beim Hersteller nachzufragen, wenn die Herkunftsangaben unklar sind. Seriöse Produzenten mit nichts zu verbergen werden diese Informationen bereitwillig zur Verfügung stellen.
Wochenmärkte, Hofläden und spezialisierte Feinkostgeschäfte bieten oft Ricotta von regionalen Produzenten an. Hier lässt sich die Herkunft meist direkt erfragen und überprüfen. Auch wenn diese Produkte teurer sind, rechtfertigt die höhere Qualität und Transparenz den Aufpreis. Manche Verbraucher entscheiden sich sogar dafür, Ricotta selbst herzustellen. Mit Milch, Sahne und etwas Zitronensaft oder Essig lässt sich in wenigen Schritten ein frischer Ricotta zubereiten, bei dem die Herkunft aller Zutaten vollständig kontrollierbar ist.
Bewusste Kaufentscheidungen treffen
Der Druck auf Hersteller wächst, transparentere Angaben zu machen. Verbraucherschutzorganisationen setzen sich zunehmend für strengere Kennzeichnungspflichten ein. Es ist davon auszugehen, dass die Gesetzgebung in den kommenden Jahren nachgebessert wird. Bis dahin bleibt es an den Verbrauchern, durch bewusste Kaufentscheidungen Transparenz einzufordern und Produkte mit zweifelhafter Herkunft zu meiden.
Informierte Verbraucher können durch kritisches Hinterfragen und gezieltes Einkaufsverhalten nicht nur für sich selbst bessere Qualität sichern, sondern auch zu mehr Ehrlichkeit im Lebensmittelmarkt beitragen. Die Herkunft von Ricotta mag auf den ersten Blick wie ein Nebenaspekt erscheinen – bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass dahinter grundsätzliche Fragen von Qualität, Kontrolle und Verbraucherschutz stehen.
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