Während andere im Januar ein Vermögen für überfüllte Skipisten zahlen, wartet diese montenegrinische Ruinenstadt mit leeren Gassen und Preisen ab 15 Euro auf euch

Während die meisten Reisenden im Januar den überfüllten Skipisten der Alpen nachjagen, wartet an der montenegrinischen Adriaküste ein fast vergessenes Juwel darauf, entdeckt zu werden. Stari Bar, die alte Festungsstadt über der modernen Hafenstadt Bar, bietet im ersten Monat des Jahres eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht: leere Gassen zwischen jahrhundertealten Ruinen, dramatische Wolkenformationen über dem Meer und eine Authentizität, die in der Hochsaison längst verschwunden wäre. Für eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam auf der Suche nach einem unkonventionellen Abenteuer sind, könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt geben.

Warum Stari Bar im Januar bereisen?

Der Januar verwandelt Montenegro in ein Land der Kontraste. Während die Berge im Norden unter Schneedecken verschwinden, bleibt die Küstenregion mild und zugänglich. In Stari Bar herrschen Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad Celsius – kühl genug für ausgedehnte Erkundungstouren ohne ins Schwitzen zu geraten, warm genug, um Stunden im Freien zu verbringen. Die Festungsstadt liegt verlassen da, und genau darin liegt ihr Zauber. Ihr habt die mittelalterlichen Gassen praktisch für euch allein, könnt in Ruhe fotografieren und jede Ecke erkunden, ohne euch durch Touristenströme kämpfen zu müssen.

Die Nebensaison bedeutet auch deutlich niedrigere Preise. Unterkünfte, die im Sommer 40 bis 50 Euro pro Nacht kosten, sind jetzt bereits ab 15 bis 20 Euro zu haben. Selbst in der modernen Stadt Bar findet ihr komfortable Apartments für eine Gruppe von Freunden ab etwa 50 Euro pro Nacht für die gesamte Unterkunft. Das Budget, das ihr für die Übernachtung spart, könnt ihr in lokale Spezialitäten und Tagesausflüge investieren.

Die Festungsstadt erkunden

Stari Bar selbst ist ein archäologisches Freilichtmuseum, das sich über einen Hügel erstreckt. Die Ruinenstadt wurde im 10. Jahrhundert gegründet und erlebte ihre Blütezeit unter verschiedenen Herrschaften – von den Byzantinern über die Venezianer bis zu den Osmanen. 1979 wurde die Stadt durch ein Erdbeben stark beschädigt und nie wieder aufgebaut. Was für die damaligen Bewohner eine Katastrophe war, ist heute ein Paradies für Geschichtsinteressierte und Fotografen.

Der Eintritt zur Festung kostet etwa 2 Euro pro Person – ein lächerlicher Betrag für das, was euch erwartet. Nehmt euch mindestens drei Stunden Zeit, um durch die Ruinen zu streifen. Die Reste der Kirche des Heiligen Nikolaus, das alte türkische Bad, die Moschee mit ihrem noch teilweise erhaltenen Minarett und die massiven Verteidigungsmauern erzählen stumme Geschichten von vergangenen Epochen. Im Januar, wenn der Wind durch die leeren Fensteröffnungen pfeift und Nebelschwaden zwischen den Steinmauern treiben, entsteht eine geradezu mystische Atmosphäre.

Der legendäre Olivenbaum von Stari Bar sollte auf eurer Liste stehen. Mit über 2000 Jahren ist er einer der ältesten Olivenbäume Europas. Sein massiver, verdrehter Stamm mit einem Umfang von etwa zehn Metern wirkt wie ein lebendes Kunstwerk. Im Winter, ohne die Ablenkung der sommerlichen Vegetation, kommt seine beeindruckende Form besonders zur Geltung.

Aktivitäten für Gruppen

Die Umgebung von Stari Bar bietet zahlreiche Möglichkeiten für gemeinsame Unternehmungen. Das nahegelegene Gebirge Rumija ist ideal für Winterwanderungen. Die Gipfel erreichen etwa 1600 Meter Höhe, und bei klarem Wetter habt ihr spektakuläre Ausblicke auf die Adriaküste und die albanischen Berge im Süden. Plant einen ganzen Tag für eine Wanderung ein und packt ausreichend Proviant ein – ihr werdet unterwegs keine Einkehrmöglichkeiten finden.

Der moderne Teil von Bar mag auf den ersten Blick unspektakulär wirken, aber der Hafen hat seinen eigenen Charme. Hier könnt ihr beobachten, wie die Fähren nach Italien ablegen, und in den kleinen Konobas entlang der Uferpromenade authentische montenegrinische Küche genießen. Eine herzhafte Fischsuppe kostet etwa 5 bis 7 Euro, gegrillter Oktopus oder frische Sardinen gibt es für 8 bis 10 Euro. Teilt euch verschiedene Gerichte und probiert gemeinsam – so lernt ihr die lokale Küche am besten kennen.

Ein Tagesausflug zum Skutarisee, dem größten See der Balkanhalbinsel, lohnt sich besonders im Winter. Das Feuchtgebiet ist zu dieser Jahreszeit ein Paradies für Vogelbeobachter, und die nebelverhangene Landschaft hat etwas Unwirkliches. Die Busfahrt von Bar zum See kostet etwa 3 bis 4 Euro pro Person, alternativ könnt ihr euch gemeinsam ein Auto mieten, was bei etwa 25 bis 30 Euro pro Tag liegt – aufgeteilt durch die Gruppe ein echtes Schnäppchen.

Praktische Tipps für den Aufenthalt

Die Anreise nach Bar erfolgt am besten über den Flughafen Podgorica oder Tivat. Von dort fahren regelmäßig Busse nach Bar, die Fahrt dauert etwa eine Stunde und kostet 5 bis 8 Euro. Falls ihr direkt nach Stari Bar wollt, nehmt einen lokalen Bus oder ein Taxi vom Zentrum Bars – die Festungsstadt liegt etwa vier Kilometer außerhalb. Ein Taxi sollte nicht mehr als 5 Euro kosten.

Für die Fortbewegung vor Ort reichen eure Füße völlig aus. Stari Bar selbst erkundet man ausschließlich zu Fuß, und auch zwischen der Altstadt und dem modernen Bar sind es nur etwa 40 Minuten Fußweg, wobei es bergab deutlich angenehmer ist. Lokale Busse verkehren stündlich für etwa 1 Euro pro Fahrt. Wenn ihr weitere Ausflüge plant, ist ein Mietwagen die flexibelste Lösung – achtet darauf, dass in Montenegro von November bis März Winterreifen Pflicht sind.

Bei den Unterkünften solltet ihr euch auf die moderne Stadt Bar konzentrieren. Hier findet ihr eine größere Auswahl an Apartments, die sich perfekt für Gruppen eignen. Viele Vermieter bieten Küchen, sodass ihr selbst kochen und zusätzlich Geld sparen könnt. Ein Einkauf im lokalen Supermarkt für ein gemeinsames Abendessen kostet etwa 20 bis 30 Euro für vier bis fünf Personen. Lokaler Wein ist hervorragend und kostet in der Flasche zwischen 4 und 8 Euro.

Kulinarische Entdeckungen

Die montenegrinische Küche ist eine faszinierende Mischung aus mediterranen und balkanischen Einflüssen. In den kleinen Gaststätten rund um Bar solltet ihr unbedingt Njeguški pršut probieren – luftgetrockneter Schinken aus den Bergen – serviert mit lokalem Käse für etwa 6 Euro als Vorspeise. Ćevapi, gegrillte Fleischröllchen, bekommt ihr mit Brot und Zwiebeln für 4 bis 5 Euro. Für Vegetarier gibt es köstliche gefüllte Paprika oder Auberginen für ähnliche Preise.

Die lokalen Märkte sind im Januar zwar weniger üppig als im Sommer, aber ihr findet trotzdem frisches Gemüse, Oliven und Zitrusfrüchte. Ein Kilogramm Orangen kostet etwa 1,50 Euro, frisches Brot gibt es für 0,50 bis 1 Euro. Nutzt die Gelegenheit, ein Picknick für eure Erkundungstouren zusammenzustellen.

Was ihr einpacken solltet

Januar bedeutet wechselhaftes Wetter. Packt Schichten ein – Fleecejacken, Regenjacken und bequeme Wanderschuhe sind unverzichtbar. Die Festung ist teilweise rutschig, besonders nach Regen. Handschuhe und Mützen sind für Wanderungen in höheren Lagen sinnvoll. Vergesst nicht eine wiederaufladbare Powerbank und ausreichend Speicherkarten – die fotogenen Momente sind endlos.

Montenegro verwendet den Euro, was die Reiseplanung erleichtert. Geldautomaten gibt es ausreichend in Bar, aber in Stari Bar selbst findet ihr keine. Hebt vorher Bargeld ab, denn viele kleine Lokale akzeptieren keine Karten. Plant etwa 30 bis 40 Euro pro Person und Tag für Essen, Eintrittsgelder und kleine Ausgaben – bei sparsamer Lebensweise kommt ihr auch mit weniger aus.

Die Einheimischen in der Region sind außerhalb der Saison besonders gastfreundlich. Ohne den Stress der Sommermonate nehmen sich die Menschen Zeit für ein Gespräch. Grundkenntnisse in Serbisch oder zumindest ein paar Brocken helfen enorm, aber die meisten jüngeren Montenegriner sprechen passables Englisch. Ein einfaches „Hvala“ (Danke) und „Dobar dan“ (Guten Tag) öffnen bereits viele Türen und Herzen.

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