Warum Ihr Fenster heimlich Geld verbrennt und wie Sie mit simplen Handgriffen hunderte Euro pro Winter in der Tasche behalten

Das Fenster, das im Winter einen zarten Luftzug durchlässt, ist mehr als nur eine kleine Unannehmlichkeit. Es ist ein Leck im Energiesystem eines Haushalts – ein unsichtbarer Kanal, durch den Wärme, Komfort und letztlich Geld entweichen. In Zeiten steigender Energiekosten und zunehmenden Umweltbewusstseins ist der Verlust von Wärmeenergie durch undichte Fenster nicht nur eine Frage des persönlichen Wohlbefindens, sondern auch der Verantwortung gegenüber den eigenen Ressourcen. Der durchschnittliche Haushalt verliert durch unzureichende Abdichtung beträchtliche Mengen an Heizenergie, ohne dass dies unmittelbar sichtbar wird. Das Problem manifestiert sich erst auf der Heizkostenabrechnung oder in dem dauerhaften Unbehagen, das kalte Luftströme verursachen.

Dabei handelt es sich keineswegs um ein marginales Phänomen. Fenster machen durchschnittlich nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Außenhüllfläche eines Gebäudes aus, sind aber für einen überproportional hohen Anteil des Wärmeverlusts verantwortlich. Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex, doch sie alle münden in derselben Erkenntnis: Was viele übersehen, ist, dass die Lösung selten in einer teuren Fenstersanierung liegt. Mit präzisem Wissen über die physikalischen Ursachen von Wärmeverlusten und ein paar gezielten Handgriffen lässt sich der Effekt drastisch reduzieren.

Die Wahrnehmung von Zugluft ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle findet ein kontinuierlicher Energieabfluss statt, der sich über Monate und Jahre zu beträchtlichen Summen akkumuliert. Während viele Hausbesitzer mit dem Gedanken spielen, ihre Fenster vollständig auszutauschen, existieren weitaus kostengünstigere Alternativen, die in ihrer Wirksamkeit oft unterschätzt werden. Die thermische Optimierung beginnt mit dem Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen – und genau dieses Verständnis fehlt häufig.

Die unterschätzte Dynamik von Wärmeverlust an undichten Fenstern

Jedes Fenster ist eine Schnittstelle zwischen zwei Klimazonen – drinnen warm, draußen kalt. Dieser Temperaturunterschied erzeugt einen kontinuierlichen Wärmefluss, der durch drei Hauptmechanismen wirkt: Leitung, Konvektion und Strahlung. Diese physikalischen Prinzipien sind in der Bauphysik seit Jahrzehnten etabliert und bilden die Grundlage für alle energetischen Betrachtungen von Gebäudehüllen.

Leitung beschreibt den Prozess, bei dem Materialien in direktem Kontakt Wärme von der warmen auf die kalte Seite transportieren – typisch für schlecht isolierte Rahmen. Metalle wie Aluminium weisen hier besonders hohe Wärmeleitfähigkeiten auf, weshalb moderne Aluminiumfenster mit thermischen Trennungen ausgestattet werden. Konvektion entsteht durch Luftbewegungen: Kleine Risse und Spalten führen dazu, dass warme Luft entweicht und kalte eindringt, ein Prozess, der durch Druckunterschiede zwischen Innen- und Außenraum noch verstärkt wird. Strahlung schließlich beschreibt, wie Glasflächen Wärmeenergie in Form von Infrarotstrahlung nach außen abgeben, insbesondere wenn keine energieeffiziente Verglasung vorhanden ist.

Das entscheidende Problem entsteht dort, wo der Fensterrand – insbesondere die Dichtung – seine Funktion verliert. Die Dichtungsebene bildet die kritische Grenze zwischen kontrollierter Wärmedämmung und unkontrolliertem Energieverlust. Auch minimalste Spalten können erhebliche Auswirkungen haben, da sie den konvektiven Luftaustausch ermöglichen. Dieser Effekt ist nicht linear: Je größer der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenluft, desto stärker der Wärmeabzug. Undichte Fenster wirken damit wie eine dauerhaft geöffnete Lüftung, allerdings völlig unkontrolliert und ohne die Möglichkeit der Regulierung.

Die physikalische Realität ist dabei komplexer als eine einfache Spaltbreite vermuten lässt. Der Luftaustausch folgt den Gesetzen der Strömungsmechanik und wird von Faktoren wie Windgeschwindigkeit, Gebäudehöhe und Raumtemperatur beeinflusst. In höheren Stockwerken ist der Effekt aufgrund des erhöhten Winddrucks stärker ausgeprägt. Ebenso spielt die Lage des Fensters eine Rolle: Nordfenster, die niemals direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, bleiben kälter und erhöhen den Temperaturgradienten zwischen Innen und Außen.

Viele Haushalte versuchen, dieses Defizit durch höhere Heizleistung auszugleichen – ein klassischer Fehlreflex, der nicht nur ineffizient, sondern auch kostspielig ist. Die Heizung arbeitet unter solchen Bedingungen gegen einen permanenten Energieverlust an, was ihre Effizienz dramatisch reduziert. Moderne Brennwertkessel und Wärmepumpen sind auf ein möglichst geschlossenes System ausgelegt; unkontrollierte Lüftungsverluste konterkarieren ihre technologischen Vorteile. Nachhaltiger ist die Wiederherstellung der thermischen Integrität des Fensters, die an der Wurzel des Problems ansetzt statt an den Symptomen.

Warum Dichtungsbänder mehr leisten, als nur Zugluft zu stoppen

Die einfachste Maßnahme gegen Wärmeverlust ist das Anbringen von Dichtungsbändern aus Schaumstoff, Gummi oder Silikon. Sie sind günstig, leicht anzubringen und sofort wirksam. Ihr Effekt beruht auf einem fundamentalen physikalischen Prinzip: Sie reduzieren den Luftaustauschkoeffizienten zwischen Innen und Außen, indem sie den konvektiven Wärmefluss unterbrechen. Was auf den ersten Blick wie eine simple Lösung erscheint, basiert auf präziser Materialwissenschaft und einem Verständnis für die Anforderungen verschiedener Fenstertypen.

Ein korrekt angebrachtes Dichtungsband sorgt dafür, dass sich beim Schließen des Fensters ein gleichmäßiger Druck aufbaut. Der dadurch entstehende mikroelastische Widerstand ist entscheidend, um selbst nach Monaten noch wirksam abzudichten. Die Elastizität des Materials muss über einen weiten Temperaturbereich erhalten bleiben – von minus zwanzig Grad im Winter bis zu vierzig Grad bei direkter Sonneneinstrahlung im Sommer. Materialien, die diesen Anforderungen nicht genügen, verhärten, werden spröde oder verlieren ihre Rückstellkraft.

Viele Fehler beim Selbsteinbau entstehen, weil das Band an der falschen Stelle angebracht wird – etwa direkt auf der Dichtungsfläche statt auf dem Falz –, weil das Material nicht zum Fensterprofil passt oder weil die Oberfläche vor dem Anbringen nicht gründlich entfettet wurde. Fett- und Staubrückstände verhindern die dauerhafte Haftung selbstklebender Dichtungen und führen bereits nach wenigen Wochen zu Ablösungen. Eine Reinigung mit Spiritus oder Isopropanol ist daher unerlässlich.

Die Wahl des richtigen Dichtungsbands sollte strategisch erfolgen. Schaumstoffdichtungen sind flexibel und ideal für unregelmäßige Spalten, allerdings mit begrenzter Lebensdauer von typischerweise zwei bis drei Jahren. Sie komprimieren sich mit der Zeit und verlieren ihre Dichtwirkung. Gummidichtungen aus EPDM hingegen sind robust, UV-beständig und für häufig benutzte Fenster geeignet. Sie behalten ihre Elastizität über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren und sind damit die bevorzugte Wahl für Standardanwendungen. Silikondichtungen schließlich sind besonders dauerhaft, widerstehen Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen und kommen vor allem in Feuchträumen oder bei Fenstern mit extremer Wetterexposition zum Einsatz.

Die meisten Fenster profitieren von Gummidichtungen mit selbstklebender Rückseite, die in Dichtungsspalten von zwei bis fünf Millimetern optimal greifen. Wichtig ist, die Länge sorgfältig abzumessen: Ein zu kurzes Band lässt die Ecken offen, ein zu langes führt zu Wellenbildung und Undichtigkeit. Die Ecken sollten dabei nicht überlappend verklebt werden, sondern präzise auf Gehrung geschnitten sein. Professionelle Installateure verwenden hierfür spezielle Schneidewerkzeuge, die einen sauberen Winkelschnitt von fünfundvierzig Grad ermöglichen.

Der physikalische Gewinn durch präzise Abdichtung: Energie, Komfort, Hygiene

Die thermische Performance eines Hauses lässt sich in Kilowattstunden pro Quadratmeter Fensterfläche pro Jahr ausdrücken. Undichte Fenster können dabei erhebliche Energieverluste verursachen, die sich in der Heizkostenabrechnung niederschlagen. Fachleute aus der Bauphysik bestätigen, dass bereits geringfügige Verbesserungen der Luftdichtheit messbare Einsparungen bewirken. Sachgerechte Nachdichtungsmaßnahmen können den Wärmeverlust spürbar reduzieren, ohne strukturelle Eingriffe am Gebäude zu erfordern.

Neben der messbaren Energieeinsparung entstehen zusätzliche qualitative Vorteile, die in ihrer Summe den Wohnkomfort erheblich steigern. Eine gleichmäßigere Raumtemperatur bedeutet, dass weniger Temperaturschichtung auftritt – kalte Fußbodenzonen und überhitzte Deckenbereiche werden vermieden. Die Heizung muss weniger regulieren, was nicht nur Energie spart, sondern auch die Lebensdauer der Anlage verlängert. Heizschwankungen, die zu einem permanenten An- und Abschalten der Heizung führen, belasten das System mechanisch und reduzieren seinen Wirkungsgrad.

Trockene Innenflächen sind ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil. Feuchte, kalte Rahmen sind Brutstätten für Schimmelpilze, die nicht nur ästhetische Probleme verursachen, sondern auch gesundheitliche Risiken bergen. Schimmelsporen können Atemwegserkrankungen auslösen und allergische Reaktionen hervorrufen. Dichtungen verhindern Kondensation, indem sie die Oberflächentemperatur der Fensterrahmen erhöhen. Kondensation tritt auf, wenn warme, feuchte Raumluft auf kalte Oberflächen trifft – ein Phänomen, das physikalisch durch den Taupunkt beschrieben wird. Durch bessere Abdichtung bleibt die Rahmeninnentemperatur oberhalb dieses kritischen Punkts.

Eine verbesserte Schalldämmung ist ein oft übersehener Nebeneffekt. Der Luftzug, der Wärme trägt, transportiert auch Schall. Eine bessere Dichtung wirkt somit doppelt: Sie reduziert nicht nur den Energieverlust, sondern auch die Lärmbelastung von außen. In urbanen Umgebungen mit hoher Verkehrsdichte kann dies den Unterschied zwischen erholsamem Schlaf und ständiger Belästigung bedeuten. Die Schalldämmwirkung folgt dabei logarithmischen Gesetzen – bereits eine Reduktion um wenige Dezibel wird subjektiv als deutliche Verbesserung wahrgenommen.

Die optimierte Funktion der Heizung ist ein systemischer Vorteil. Die Wärme bleibt länger im Raum, wodurch die Heizanlage im Normbetrieb bleibt und effizienter arbeitet. Moderne Heizungsregelungen arbeiten mit Vorlauftemperaturen, die auf eine bestimmte Gebäudedichtheit abgestimmt sind. Wird diese Dichtheit nicht erreicht, muss die Vorlauftemperatur erhöht werden, was den Wirkungsgrad senkt – besonders bei Wärmepumpen und Niedertemperatur-Heizsystemen.

Heimische Lösungen mit professionellem Anspruch: Zugluftstopper aus Restmaterial

Nicht jedes Fenster erlaubt das Anbringen selbstklebender Bänder – etwa ältere Holzrahmen mit unregelmäßigen Spalten oder historische Fenster, die erhalten bleiben sollen. Die Denkmalpflege verbietet in vielen Fällen invasive Eingriffe in die Originalsubstanz, sodass alternative Lösungen gefragt sind. Hier kommen Zugluftstopper zum Einsatz, eine meist unterschätzte und erstaunlich wirksame Lösung, die sich zudem mit minimalem Aufwand selbst herstellen lässt.

Die besten Ergebnisse erzielt man mit Stoppern, die Doppelfunktion erfüllen: an der Fensterbank liegend und teilweise zwischen Rahmen und Flügel eingeklemmt, wodurch sie den Luftstrom effektiv umlenken. Die physikalische Wirkung beruht darauf, dass der Zugluftstopper eine Barriere im Strömungsweg der kalten Luft bildet. Selbst wenn er den Spalt nicht vollständig verschließt, verlangsamt er den Luftaustausch erheblich und reduziert damit den konvektiven Wärmeverlust.

Selbst herstellbar sind solche Stopper aus alten Stoffresten wie Jeansstoff, Leinen oder Baumwolle, die sich aufgrund ihrer Dichte und Robustheit eignen. Als Füllung dienen folgende Materialien:

  • Getrocknete Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Linsen für Gewicht und Flexibilität
  • Reis als Alternative mit ähnlichen Eigenschaften
  • Alte Stoffreste zur zusätzlichen Polsterung

Das Gewicht ist wichtig, damit der Stopper nicht verrutscht, die Flexibilität sorgt dafür, dass er sich den Unebenheiten des Untergrunds anpasst. Verschließbare Reißverschlüsse ermöglichen es, das Innenmaterial bei Bedarf zu erneuern oder zu trocknen, falls es feucht geworden ist.

Entscheidend ist nicht nur die Ästhetik, sondern das Verständnis des Luftstromverhaltens. Zugluftstopper funktionieren am besten, wenn sie nicht einfach auf der Fensterbank liegen, sondern leicht gegen den Rahmen drücken – idealerweise mit einer U-Form, die den gesamten unteren Spalt abdeckt. Die U-Form verhindert, dass kalte Luft seitlich am Stopper vorbeiströmt, ein Effekt, den einfache zylindrische Modelle nicht bieten können.

Dieses Prinzip lässt sich auch auf Türunterkanten übertragen und erhöht dort die Gesamteffizienz des Energiesystems – ein oft übersehener Zusammenhang. Besonders in Altbauwohnungen mit hohen Decken und großzügigen Türöffnungen können die Verluste über Türspalten erheblich sein. Die Kombination aus Fenster- und Türabdichtung schafft ein in sich geschlossenes Raumklima, das deutlich weniger Heizenergie benötigt.

Wartung: Wie die Lebensdauer der Dichtungen maximiert wird

Auch die beste Abdichtung verliert mit der Zeit an Elastizität. UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit führen zu Materialermüdung – ein Prozess, der in der Werkstoffkunde als Alterung bezeichnet wird. Gummimaterialien unterliegen einer chemischen Veränderung ihrer Molekülstruktur, die als Vulkanisationsrückbildung oder Verhärtung bekannt ist. Wer Energie sparen will, muss deshalb auch den Zustand der Dichtungen regelmäßig prüfen.

Eine visuelle Kontrolle reicht nicht aus: Selbst wenn das Material intakt aussieht, kann es seine Rückstellkraft verloren haben. Die Rückstellkraft beschreibt die Fähigkeit des Materials, nach Kompression wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Ist diese Kraft reduziert, bleibt das Material dauerhaft verformt und dichtet nicht mehr zuverlässig ab.

Ein einfacher Test – der sogenannte Blatt-Test – zeigt den tatsächlichen Dichtungsdruck: Ein Blatt Papier wird zwischen Rahmen und Flügel gelegt und das Fenster geschlossen. Lässt sich das Papier leicht herausziehen, ist die Abdichtung unzureichend. Bei korrekter Abdichtung sollte ein deutlicher Widerstand spürbar sein, das Papier sollte eingeklemmt sein und sich nur mit Kraftaufwand bewegen lassen. In Fällen unzureichender Abdichtung hilft entweder ein Nachstellen der Beschläge oder das Erneuern der Dichtung.

Dichtungen sollten mindestens einmal jährlich gereinigt und mit Silikonöl oder Glycerin behandelt werden, um geschmeidig zu bleiben. Diese Pflegemittel dringen in das Material ein und verhindern Austrocknung. Haushaltsübliche Pflegeprodukte wie Vaseline können ebenfalls verwendet werden, sollten aber sparsam aufgetragen werden, da sie Staub anziehen können. Die Reinigung erfolgt am besten mit einem feuchten Tuch ohne aggressive Reinigungsmittel, da diese das Material angreifen können.

Eine vollständige Erneuerung der Dichtungen sollte alle fünf bis sieben Jahre erfolgen, abhängig von der Beanspruchung und den Umgebungsbedingungen. Fenster in südlicher Ausrichtung mit intensiver UV-Exposition altern schneller als Nordfenster. Ebenso wirken sich häufige Benutzung und mechanische Belastung auf die Lebensdauer aus. Bei Fenstern, die täglich mehrfach geöffnet werden, kann eine Erneuerung bereits nach drei bis vier Jahren notwendig sein.

Wichtige Details bei der Wartung

Wichtig ist auch, dass Dichtungen nicht überlackiert oder silikonversiegelt werden sollten – das reduziert ihre Beweglichkeit. Beim Streichen von Holzfenstern muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass die Farbe nicht auf die Dichtungen gelangt. Sollte dies dennoch passieren, verhärtet die Farbe das flexible Material und macht es funktionsunfähig. In solchen Fällen muss die Dichtung vollständig entfernt und ersetzt werden.

Wie jedes technische System funktioniert auch die Wärmedämmung nur unter regelmäßiger Wartung optimal. Das Fenster wird so von einer passiven Glasfläche zu einem dynamischen Element in der Energiebilanz des Hauses. Die Investition von wenigen Minuten Pflegeaufwand pro Jahr sichert die Funktionalität über Jahrzehnte.

Übersehene Details mit großem Einfluss auf den Energieverbrauch

Im Kontext von Fensterabdichtung wird oft übersehen, dass Fensterrahmenmaterial, Ausrichtung und Raumfeuchtigkeit ebenfalls erheblichen Einfluss auf den Wärmeverlust haben. Jedes dieser Elemente interagiert mit den anderen und bildet ein komplexes System, dessen Optimierung Detailwissen erfordert.

Holzrahmen reagieren auf Feuchtigkeit und können sich leicht verziehen, wodurch Dichtungen ungleichmäßig anliegen. Holz ist ein hygroskopisches Material – es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Dieser natürliche Prozess führt zu Volumenänderungen, die bei schlecht gewarteten Fenstern Spalten öffnen können. Regelmäßiges Lackieren und Versiegeln der Fugen reduziert diese Effekte, indem es die Feuchtigkeitsaufnahme minimiert. Hochwertige Lacksysteme mit diffusionsoffenen Eigenschaften erlauben dem Holz zu atmen, während sie gleichzeitig Schutz bieten.

Kunststoffrahmen aus PVC sind widerstandsfähiger gegen Temperaturänderungen und Feuchtigkeit. Ihre Dichtungen altern jedoch durch UV-Einfluss schneller, da die Weichmacher im Kunststoff über die Zeit ausgasen. Dieser Prozess, bekannt als Migration, führt dazu, dass das Material spröde wird. Moderne PVC-Fenster werden mit UV-Stabilisatoren versehen, doch auch diese verlieren mit der Zeit ihre Wirkung.

Aluminiumrahmen leiten Wärme besonders stark. Aluminium hat eine Wärmeleitfähigkeit, die etwa tausendfach höher ist als die von Holz. Bei älteren Modellen ohne thermische Trennung sind zusätzliche Dichtstreifen oder Innenrahmen-Isolierungen entscheidend. Moderne Aluminiumfenster verwenden daher sogenannte thermische Trennstege aus Kunststoff, die den Wärmefluss unterbrechen. Bei Bestandsfenstern ohne diese Technologie können nachträglich angebrachte Dämmstreifen Abhilfe schaffen.

Ein weiterer Faktor ist die relative Luftfeuchtigkeit im Innenraum. Zu trockene Luft kann Gummidichtungen spröde werden lassen, während zu feuchte Umgebung die Kondensation an den Rändern fördert. Eine kontrollierte Raumluftfeuchte zwischen vierzig und sechzig Prozent hält das Gleichgewicht. Unterhalb dieser Schwelle trocknen Schleimhäute aus und Dichtungsmaterialien verlieren Elastizität; oberhalb steigt das Risiko von Schimmelbildung und Kondensation.

Besonders effektiv ist das Zusammenspiel mehrerer kleiner Maßnahmen: Dichtungserneuerung in Kombination mit der Abdichtung der Fensterbankfugen mit Acryl statt Silikon – Acryl ist elastischer und überstreichbar, was bei späteren Renovierungen von Vorteil ist. Silikonfugen hingegen nehmen keine Farbe an und müssen vor dem Streichen abgeklebt oder entfernt werden. Gezieltes Stoßlüften statt Dauerlüften reguliert Feuchtigkeit effizient, ohne übermäßige Wärmeverluste zu verursachen. Beim Stoßlüften wird das Fenster für kurze Zeit – etwa fünf bis zehn Minuten – vollständig geöffnet, wodurch ein schneller Luftaustausch erfolgt, ohne dass die Wände auskühlen.

Die unterschätzte Energiequelle: Erhaltung statt Ersatz

Viele Sanierungsprogramme konzentrieren sich auf den Austausch alter Fenster gegen moderne Modelle mit Dreifachverglasung. Diese Strategie hat zweifellos ihre Berechtigung, wenn Fenster stark beschädigt oder technologisch völlig veraltet sind. Doch der ökologische Fußabdruck eines Neufensters ist nicht zu vernachlässigen: Produktion, Transport und Entsorgung bringen teils erhebliche Emissionen mit sich. Die Herstellung moderner Mehrscheiben-Isoliergläser ist energieintensiv, ebenso die Produktion von Rahmen aus Kunststoff oder Aluminium. Die Frage, ob sich diese Investition über die Lebenszeit des Fensters energetisch und ökologisch amortisiert, muss differenziert betrachtet werden.

In Bestandswohnungen bringt eine gezielte Instandhaltung der bestehenden Fenster – insbesondere durch neue Dichtungen, Einsatz von Zugluftstoppern und regelmäßige Kontrolle – einen erheblichen Komfortgewinn bei einem Bruchteil der Kosten und Emissionen. Diese Strategie wird in der Gebäudethermodynamik als Low-Intervention-Retrofit bezeichnet und gilt als effizienteste Maßnahme, wenn strukturelle Schäden ausgeschlossen sind. Insbesondere bei Fenstern, die in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren eingebaut wurden und bereits über Isolierverglasung verfügen, ist eine vollständige Erneuerung oft nicht gerechtfertigt.

Die energetische Bewertung muss auch die Graue Energie berücksichtigen – jene Energie, die für Herstellung, Transport, Lagerung und Entsorgung aufgewendet wird. Ein hochwertiges Kunststofffenster mit Dreifachverglasung bindet in seiner Produktion erhebliche Mengen an Energie, die über Jahre durch Einsparungen im Betrieb kompensiert werden müssen. Bei gut erhaltenen Bestandsfenstern kann diese Amortisationszeit zwanzig Jahre und mehr betragen – eine Zeitspanne, die die typische Nutzungsdauer von Fenstern erreicht oder übersteigt.

Hinzu kommt der psychologische Aspekt: Wer die Funktionsweise seiner eigenen Fenster versteht und sie gezielt pflegt, verändert langfristig sein Energieverhalten. Die Aufmerksamkeit für kleinste Wärmeverluste fördert das Bewusstsein für gesamthafte Einsparpotenziale im Haushalt – vom Heizkörperventil bis zur Türdichtung. Dieses Bewusstsein ist möglicherweise wertvoller als jede technische Maßnahme, da es zu einer grundlegenden Verhaltensänderung führt. Die Pflege und Optimierung bestehender Fenster vermittelt zudem handwerkliche Fähigkeiten und ein Verständnis für die technischen Zusammenhänge im eigenen Wohnraum. Diese Kompetenz ist übertragbar auf andere Bereiche der Gebäudetechnik und fördert eine Kultur der Instandhaltung statt der Wegwerfmentalität.

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