Die versteckte Mittelmeerstadt die im Januar angenehme Wärme bietet während alle anderen frieren und kaum etwas kostet

Wenn die kalten Januartage in Mitteleuropa ihre graue Melancholie ausbreiten, lockt eine kleine Mittelmeerinsel mit milden Temperaturen, goldenem Sonnenlicht und einer Fülle an Geschichte, die sich wie ein faszinierendes Buch lesen lässt. Valletta, die kompakte Hauptstadt Maltas, erweist sich gerade im ersten Monat des Jahres als perfektes Ziel für ein verlängertes Wochenende – besonders für reifere Reisende, die Kultur, Komfort und überschaubare Entfernungen zu schätzen wissen, ohne dabei ihr Budget zu strapazieren.

Die winzige Festungsstadt, die majestätisch auf einer Halbinsel zwischen zwei natürlichen Häfen thront, bietet im Januar angenehme 15 bis 16 Grad Celsius – ideal für ausgedehnte Stadtspaziergänge ohne schweißtreibende Hitze. Die Touristenströme des Sommers sind längst abgeebbt, und die historischen Gassen gehören wieder den Einheimischen und jenen Besuchern, die das authentische Malta erleben möchten.

Eine Stadt wie ein begehbares Museum

Valletta ist mit knapp einem Quadratkilometer Fläche eine der kleinsten Hauptstädte Europas, doch was ihr an Größe fehlt, macht sie durch architektonische Pracht mehr als wett. Die gesamte Stadt ist UNESCO-Weltkulturerbe, und nahezu jede Straßenecke erzählt von den Johanniterrittern, die hier im 16. Jahrhundert eine der beeindruckendsten Festungsanlagen des Mittelmeerraums errichteten.

Der Spaziergang durch die schnurgeraden Straßen gleicht einer Zeitreise. Honigfarbener Kalkstein dominiert das Stadtbild, verziert mit den charakteristischen maltesischen Holzbalkonen, die wie bunte Schmuckstücke an den barocken Fassaden hängen. Die Republic Street, die Hauptschlagader der Stadt, führt vom imposanten Stadttor bis zum Fort St. Elmo und kann bequem in zwanzig Minuten durchquert werden – ein unschätzbarer Vorteil für alle, die längere Fußmärsche meiden möchten.

Kulturelle Schätze ohne Gedränge

Die St. John’s Co-Cathedral ist zweifellos das architektonische Juwel Vallettas. Von außen eher schlicht wirkend, offenbart das Innere einen überwältigenden barocken Prunk, der seinesgleichen sucht. Der gesamte Boden besteht aus über 400 kunstvoll gestalteten Grabplatten der Ordensritter, und die Deckengemälde erzählen in leuchtenden Farben vom Leben Johannes des Täufers. Der Eintritt kostet etwa 15 Euro – eine Investition, die sich für Kunstliebhaber ohne Zweifel lohnt. Im Januar genießt man hier die seltene Gelegenheit, die Räume nahezu in Ruhe zu betrachten, ohne sich durch Menschenmassen zwängen zu müssen.

Wer sich für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs interessiert, findet in den Lascaris War Rooms ein bewegendes Zeugnis jener Zeit, als Malta massiven Bombardements ausgesetzt war. Die unterirdischen Kommandoräume, von denen aus die Verteidigung der Insel koordiniert wurde, sind bemerkenswert gut erhalten und bieten einen authentischen Einblick in die dramatischen Kriegsjahre.

Aussichtspunkte und versteckte Ecken

Die Upper Barrakka Gardens zählen zu den schönsten öffentlichen Gärten des Mittelmeerraums. Von der terrassenförmigen Anlage aus genießt man einen atemberaubenden Panoramablick über den Grand Harbour mit seinen historischen Befestigungsanlagen. Der Eintritt ist kostenlos, und mittags um zwölf Uhr wird hier täglich ein traditioneller Kanonenschuss abgefeuert – eine Zeremonie, die seit Jahrhunderten Bestand hat. Ein perfekter Ort, um auf einer Bank zu verweilen und das mediterrane Licht zu genießen, das auch im Januar erstaunlich warm und golden leuchtet.

Weniger bekannt, aber ebenso reizvoll sind die Lower Barrakka Gardens am anderen Ende des Hafens. Hier geht es deutlich ruhiger zu, und man kann zwischen neoklassizistischen Säulen hindurch auf das geschäftige Treiben im Hafen blicken. Diese versteckten Ruheoasen sind ideal für alle, die dem städtischen Trubel für einen Moment entfliehen möchten.

Fortbewegung leicht gemacht

Valletta selbst erkundet man am besten zu Fuß – die Stadt ist so kompakt, dass man kaum öffentliche Verkehrsmittel benötigt. Wer dennoch die Umgebung erkunden möchte, profitiert vom hervorragend ausgebauten Bussystem Maltas. Eine Wochenkarte kostet lediglich etwa 21 Euro und ermöglicht unbegrenzte Fahrten auf dem gesamten Streckennetz. Die Busse sind modern, klimatisiert und verbinden Valletta mit allen wichtigen Orten der Insel.

Besonders praktisch ist der kostenlose Aufzug, der vom Busbahnhof direkt hinauf in die höher gelegene Altstadt führt – eine willkommene Erleichterung, die gerade für ältere Reisende den Zugang erheblich komfortabler macht. Alternativ verkehren regelmäßig Hafenfähren zwischen Valletta und den Nachbarstädten Sliema und Vittoriosa für etwa 2 Euro pro Fahrt – eine malerische Art, die Perspektive zu wechseln und die Festungsstadt vom Wasser aus zu bewundern.

Kulinarische Entdeckungen mit Charakter

Die maltesische Küche vereint italienische, arabische und britische Einflüsse zu einer eigenständigen mediterranen Tradition. In den kleinen Familienlokalen der Seitenstraßen – erkennbar an den einfachen Tischen und der heimischen Kundschaft – speist man authentisch und preiswert. Ein herzhaftes Hauptgericht wie das traditionelle Kanincheneintopf oder frischer Fisch mit Gemüse kostet hier zwischen 10 und 15 Euro.

Die lokalen Konditoreien bieten köstliche Pastizzi, mit Ricotta oder Erbsenpüree gefüllte Blätterteigtaschen, die für weniger als einen Euro zu haben sind – ideal für ein unkompliziertes Frühstück oder einen Snack zwischendurch. In Kombination mit einem maltesischen Kaffee in einem der kleinen Straßencafés ergibt das einen perfekten Start in den Tag.

Wer gerne selbst kocht oder ein Picknick plant, findet am Merchants Street Market frisches Obst, Gemüse und lokale Spezialitäten zu Preisen, die deutlich unter mitteleuropäischem Niveau liegen. Der Markt ist gleichzeitig eine hervorragende Gelegenheit, das alltägliche Leben der Malteser zu beobachten und vielleicht das eine oder andere Gespräch zu führen.

Unterkunft mit Aussicht auf Ersparnis

Im Januar sinken die Übernachtungspreise auf Malta deutlich. Während der Sommermonate oft Wucherpreise verlangt werden, findet man jetzt komfortable Gästehäuser im Herzen Vallettas ab etwa 50 Euro pro Nacht. Diese traditionellen Häuser mit ihren dicken Steinmauern halten die Wärme im Winter und bieten oft charmante Details wie historische Holzbalken oder kleine Innenhöfe.

Wer bereit ist, einige Bushaltestellen außerhalb zu wohnen – etwa in Sliema oder St. Julian’s – kann die Kosten noch weiter senken und zahlt teilweise nur 35 bis 40 Euro für ein Doppelzimmer. Die Busverbindungen sind hervorragend, und die Fahrt nach Valletta dauert selten länger als 20 Minuten.

Tagesausflüge für Abwechslung

Obwohl Valletta selbst ein Wochenende mühelos füllt, lohnt sich ein Abstecher in die ehemalige Hauptstadt Mdina. Die stille, mittelalterliche Stadt thront auf einem Hügel im Inselinneren und bietet mit ihren verwinkelten Gassen und der beeindruckenden Kathedrale einen wunderbaren Kontrast zur barocken Pracht Vallettas. Die Busfahrt kostet mit der Wochenkarte nichts extra.

Die prähistorischen Tempel von Ħaġar Qim und Mnajdra, älter als Stonehenge und die ägyptischen Pyramiden, liegen spektakulär an der Südküste und sind ebenfalls problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Der Eintritt beträgt etwa 10 Euro und gewährt Zugang zu beiden Anlagen – ein faszinierender Einblick in eine Hochkultur, die vor über 5000 Jahren auf dieser kleinen Insel blühte.

Valletta im Januar ist ein Geheimtipp für alle, die Kultur und Geschichte in konzentrierter Form erleben möchten, ohne dabei auf winterliches Grau, überfüllte Sehenswürdigkeiten oder überteuerte Preise zu treffen. Die Stadt belohnt Neugier mit unerwarteten Entdeckungen hinter jeder Ecke und bietet dabei den Komfort kurzer Wege und einer hervorragenden Infrastruktur – perfekt für ein entspanntes, aber dennoch bereicherndes Wochenende am Mittelmeer.

Wann würdest du Valletta am liebsten besuchen?
Januar für Ruhe und Kultur
Sommer trotz Hitze und Massen
Frühling als goldener Mittelweg
Herbst für warmes Meer
Valletta reizt mich nicht

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